Ein Zauberstab – nichts Anderes heißt Wand ins Deutsche übersetzt – ist ja an sich einfach nur ein Werkzeug, um damit ziemlich übernatürliche Dinge zu vollführen. Übernatürlich ist das, was die Band Wand da zelebriert allemal, und der lebende Beweis, dass die US-Amerikanischen Kunsthochschulen wirklich kreative, inspirierende Geister hervorzubringen vermögen. Denn genau da trafen Lee Landay und Evan Burrows auf diesen Cory Hanson, der damals – so 2013 war das – schon eine Zeit lang als Musiker bei den Meatbodies und Together Pangea aktiv war, und da schon einige ganz gute Songs selbst geschrieben und fortan auf Tasche hatte. Mit den beiden Kollegen verstand er sich blendend, und so stand der der Bandgründung nichts im Wege. Stücke gab‘s ja schon, zum einen mit seinen vorherigen Mitstreitern bereits aufgenommene, zum anderen einfach in der Schublade befindliche. Also wurde direkt das Debutalbum „ganglion reef“ eingespielt und auch live drauf los rerockt. Heraus kam die Platte auf dem God! Label, der musikalischen, Drag City Records untergeordneten, Spielwiese des Psych-Rock Weirdos Ty Segall, der vom Sound von Wand dermaßen überzeugt war, dass er sie direkt als Support auf eine ausgedehnte US-Tour nahm, wo sie unglaublich gut ankamen.

Binnen kürzester Zeit folgte mit „Golem“ direkt ihr zweites Album, produziert von Chris Woodhouse, auch bekannt für seine Arbeit mit Thee Oh Sees, der entscheidend dazu beitrug, dass diese Platte, so opulent, elegant und power-poppig klang, und mit ihrer bizarren und abgefuckten Entstehung vom Sound her nichts gemein hatte. Und keine weiteren sechs Monate später schoben sie nun in Eigenregie direkt gleich noch mit „1000 days“ ihr Drittwerk hinterher. Hanson – der nebenbei mit Evan Burrows auch das Rückgrat von Ty Segalls Liveband The Muggers formte – ist ein sprudelnder Quell in Sachen Songideen. Gerade erst erschein mit „The Unborn Capitalist From Limbo“ ein Soloalbum auf Drag City, und auch Wand werkeln bereits an der nächsten Scheibe. Für diese nehmen sie sich aber nun ein wenig mehr Zeit, denn ein wenig kreativer Freiraum und eine Absage an das ewig selbe Aufnehmen-Touren-Aufnehme-Touren-Spiel, soll ihnen den nächsten Schritt zum vollendeten Song erleichtern.

Wand zelebrieren mit selten gesehener Spielfreude und Virtuosität Psychrock-Hymnen deren wahnwitzige Gitarren-Solos sich in ein wohlig waberndes Soundkleid hüllen. „Fire on the Mountain“ heißt das dreiteilige Song Epos auf ihrem Debütalbum, dessen Sound den Zuhörer in eine erhabene Landschaft führt, die Bob Ross hätte kaum ergreifender malen können, und das einem so nachdrücklich im Kopf bleibt. Wand sind wahre Zauberer an ihren Instrumenten, sie sind der Zauberstab, der Euch verzaubern wird. Überzeugt Euch selbst. Wand spielen am 24. Mai in der scheune Dresden!

Dicktator Soundz
WAND (usa) + PILL (usa) + SIR ROBIN & THE LONGBOWMEN (ger)
Mittwoch 24. Mai 2017
scheune Dresden
Einlass 19:30 / Start 20:30
Tickets im VVK: 12 € zzgl. Gebühren
>>> ZUM ONLINE TICKETSHOP
... außerdem erhältlich an allen bekannten Vorverkaufsstellen, im scheunecafé und im Dropout Records Shop (Alaunstr. 43)

Okay, BRUTUS ist nicht grade der innovativste Bandname. Ich glaube so oder so ähnlich nannten sich in den letzten Jahren mindestens ein halbes Dutzend Bands. Wieso auch nicht? Kurz, prägnant und genreübergreifend verwendbar, und deshalb auch leicht zu merken. Was mich allerdings bei genau diesen Brutus hier etwas genauer hinsehen ließ, war ihre Herkunft - nämlich Belgien - und der Fakt, dass sie als Newcomer mit eigenständigem Sound gepriesen wurden. Zwei Dinge die durchaus vereinbar sein könnten – ich denke Kenner der belgischen Musiklandschaft geben mir da recht. Also fix mal angeklickt und reingelauscht.

Und was soll ich sagen!? Ich habe noch nie so einen wahnwitzigen Stilmix aus mir bis dato kaum unter einen Hut zu bekommenden Einflüssen vernommen. Shoegaze und Postrock zusammen – geht, Hardcore und Metalblastbeats gemixt – nix Neues, Pop Punk und female Vocals – warum nicht, aber all das zusammen in einem Stück – Wahnsinn – und derer elf auf einem Album und auf voller Länge nicht einen Augenblick langweilig, voraussehbar oder zäh – schier unglaublich. Die Kritiker sehen sie als Bindeglied zwischen so gegensätzlichen Bands wie Savages und Slayer, The Smiths und Slowdive oder Dillinger Escape Plan und dEUS. So frei von der Leber weg hab ich lange keine Band mehr rocken gehört. Das Trio aus Leuven um die singende Drummerin Stefanie Mannaerts ist so ziemlich das Erfrischendste was einem heute live auf der Bühne und eben auch auf Platte begegnen kann. Ihr Debüt Album „Burst“ kam gerade erst auf Hassle Records heraus, und nun schicken sie sich an, das Ganze auch mal außerhalb ihrer heimatlichen Gefilde live vorzustellen. Ich freue mich ungemein, diese herausragende Band im Rahmen meiner Dicktator Soundz Reihe in der Scheune Dresden präsentieren zu können. Das niederländische Musikmagazin 3voor12 ist so nett, und bietet Euch einen exklusiven Stream des ganzen Albums. Hört einfach mal rein und lasst Euch vom Sound dieser unglaublichen Band fesseln.

Dicktator Soundz #3
BRUTUS (bel) + MANON MEURT (cz)
Freitag 24. März 2017
scheune Dresden
Einlass 20:30 / Start 21:00
Tickets im VVK: 10 € zzgl. Gebühren
>>> ZUM ONLINE TICKETSHOP
... außerdem erhältlich an allen bekannten Vorverkaufsstellen, im scheunecafé und im Dropout Records Shop (Alaunstr. 43)

Vor knapp drei Jahren bot mir die scheune, eines der renommiertesten Konzerthäuser Dresdens, die Möglichkeit, fortan als Booker das Programm des Hauses aktiv zu gestalten. Wer kann da schon „Nein“ sagen. Ich habe die Zeit genutzt, um mich mit den Befindlichkeiten des Dresdner Konzertgeschehens allgemein und denen der Neustadt im Speziellen anzufreunden und einfach mal drauflos zu planen. Und da wir mit unserem 2015er Programm den Spielstättenprogrammpreis "Applaus" der Initiative Musik gewannen, gehe ich mal davon aus, dass ich nicht so viel falsch gemacht habe bislang.

Mit diesem kräftezehrenden und inspirierenden Engagement musste ich aber auch alle Aktivitäten abseits dessen ein wenig eindampfen oder konsolidieren, um nicht wahnsinnig zu werden. Infolgedessen beschränkte sich Dicktator als Label mehr oder minder auf die Planung und Durchführung des Morbus Maximus Festivals in Bischofswerda nebst dazugehöriger Warm-Up Konzerte und als Promo-Multiplikator für einige Herzens-Shows aus dem scheune Programm.

Die unzähligen Produktionen eines Hauses mit einem 24/7 Programm a la scheune gaben mir aber in den letzten Jahren die Bestätigung, dass man die Qualität eines Konzertes nicht am Promo-Blingbling und der Seitenzahl des Bandriders fest machen kann. In meinem Postfach sammelten sich Anfragen kleiner Bands, die im Wertemaßstab des Showbusiness eher kaum eine Chance bekommen, mal auf einer echten Konzertbühne mit guter PA, professionellem Licht und herzlicher Umsorgung zu spielen, dies aber ob ihrer Qualitäten durchaus verdienen würden. Und weil größere Popproduktionen, deren tonnenschweres, maßlos überdimensioniertes Equipment, was es die Treppe hochzubuckeln gilt, kaum auf die Bühne passt, und dessen Effekt am Ende ob der einfallslosen Song-Arrangements und der inhaltlichen Leere der Musik völlig verpufft, mehr und mehr zum Maßstab eines erfolgreichen Programms wurden, habe ich nun den Entschluss gefasst, diesem Wahnsinn etwas entgegen zu setzen.

Dicktator Soundz heißt die daraus entstandene Reihe, die interessanten Newcomern und kleineren Bands, die eigentlich völlig zu Unrecht unter dem Radar rumsegeln, eine Bühnen mit Niveau geben soll. Ein- bis  zweimal im Monat präsentiere ich in der scheune zwei, eventuelle auch mal drei dieser Entdeckungen. Parallel möchte ich diesen Blog nun nutzen, um euch diese Bands näher zu bringen und eure Neugier zu wecken, diese Konzerte auch zu besuchen. Stilistisch ist dabei alles möglich, aber das sollten all jene wissen, die schon öfter Dicktator Shows besuchten. Begleitend wird es diverse Aktivitäten geben, die über das pure Konzerterlebnis hinaus gehen werden. Was das genau ist, erfahrt ihr ebenfalls hier. Kooperationspartner ist Dropout Records, unser aller Lieblingsplattendealer in der Neustadt. Dort kann man Tickets für die Shows kaufen, und die Jungs haben auch alle Platten der aufspielenden Bands da, um vorweg mal rein zu lauschen und diese natürlich zu erstehen.

Die Prämiere gaben am 28. Januar 2016 E, eine neue Band um die Punk/Indie-Pioniere Thalia Zedek (ex-Come / Live Skull / Uzi), Jason Sanford (Neptune) und Gavin McCarthy (Karate) aus den USA. Sie wurden von den leider zu Unrecht viel zu wenig beachteten GT supportet. Die Band aus dem Rödertal um aktive und ehemalige Musiker von Formationen wie Tour De Force, The Egyptian Gay Lovers, Krieger, Ceebra oder The Doubt stellte ihr neues Album vor und überzeugte mit fettem Sound, intelligenten Texten und ausgefeilten Songstrukturen irgendwo zwischen Stoner, Noiserock und klassischem Alternative Sound.

GT / scheune Dresden / 28.01.2017 ... photo: Stephan Böhling
GT / scheune Dresden / 28.01.2017 ... photo: Stephan Böhling

Auch Dicktator Soundz #2 ist bereits Geschichte, und wartete am 3. Februar mit keinen Geringeren als Scott Kelly, seines Zeichens Frontmann von Neurosis, und Sanford Parker, Produzent von und Musiker bei Bands wie Minsk, Nachtmystium, Eyehategod, Correction House, Pelican, Yob, um nur einige zu nennen. Parker hüllte zu Beginn die scheune in dunkle, elektronische, experimentelle Klangteppiche, die einem Soundtrack zum Horrorfilm glichen, um im Anschluss mit Kelly gemeinsam die Stücke ihres neuen Drone-Projekts Mirrors For Psychic Warfare live zu präsentieren. Beeindruckend welch intensive, packende Soundwände man mit einem derart minimalem Equipment zu bauen vermochte. Herausragend auch das wundervolle Joy Division Cover von „Love will tear us apart again“, welches, wie übrigens auch alle anderen Stücke mit Gesang, Scott Kelly von seiner gefühlvollen, weniger spröden Seite zeigte.

Sanford Parker / scheune Dresden / 03.02.2017 ... photo: Dicktator
Sanford Parker / scheune Dresden / 03.02.2017 ... photo: Dicktator

Und die Reihe geht weiter. Folgende Termine solltet ihr Euch fest vormerken:

24.03.2017
Brutus … kommen aus Belgien und hauen Black Metal, Pop Punk und Shoegaze in einen Topf und formen daraus einen völlig eigenen Sound, der keinerlei Vergleich stand hält. Auf dem Eurosonic Festival in Gronigen überzeugten sie vollends, und selbst die Intro erkor sie zu einem von zehn Top-Newcomern 2017
Manon Meurt … aus dem Umland von Prag spielen klassischen Shoegaze-Sound a la Slowdive und berufene Kenner der Szene in unserem Nachbarlande sehen in ihnen die momentan beste Nachwuchsband Tschechiens.

03.05.2017
Tides From Nebula … sind hierzulande noch ein Aufbauthema, während sie in ihrer polnischen Heimat schon die großen Hallen füllen. Ihr Sound bewegt sich irgendwo zwischen Isis, Caspian und 65daysofstatic und ist vor allem live ungemein fesselnd.
Apoa …sind eine der interessantesten Postrock-Formationen aus unserer Gegend. Bislang leider viel zu wenig beachtet, halten sie locker mit Szenegrößen wie Caspian und Pelican mit.

24.05.2017
Wand … simpel und kurz und doch bezeichnend ist dieser Bandname. Wand ist in erster Linie Cory Hanson, Gitarrengott und begnadeter Songschreiber, der seit Jahren auch ein nicht wegzudenkendes Rückgrat der Ty Seagull Band ist. Ihre drei Alben sind das beeindruckendste was der US-Psych-Rock momentan aufzubieten hat. Wer glaubt, daß Thee Oh Sees die Latte hoch hängen, der wird bei Wand neue Maßstäbe kennen lernen.
Mit dabei sind Pill (USA / Mexican Summer) und Sir Robin & The Longbowmen, Dresdens beste Psych-Formation dieser Tage mit einem ihrer wenigen Konzerte 2017 in der Stadt.

Weiterhin in Planung sind u.a.: All Diese Gewalt, Hella Comet, A Projection, Joan Of Arc, Dool, The Hirsch Effekt. Näheres dazu folgt. Schaut einfach ab und an mal rein!